Zusammenhang zwischen Trageschwäche und Hufen

So wie die Baumringe uns allerlei Informationen über das Klima und das Leben eines Baumes geben, so können wir über die Hufe eines Pferdes Rückschlüsse auf dessen Lauf- und Stehverhalten des letzten Jahres schließen. Wie war die statische und mechanische Belastung, rollte es gut über die Zehe ab, trat es innen oder außen stärker auf? Pferde mit einer Trageschwäche neigen zu wiederkehrenden Lahmheiten, Taktproblemen, wenig ausgeprägter Bauchmuskulatur, häufigem Stolpern und vielem mehr. Die damit verbundenen Schmerzen können sich auch durch “Ungehorsam” oder “Unrittigkeit” äußern. 

Auch die Muskulatur verrät uns viel über den physischen Zustand unserer Pferde.

In diesem Blog Beitrag erläutere ich den Zusammenhang zwischen Hufen und Trageschwäche.

Die Rumpfträger und deren Funktion 

Die Rumpftragemuskulatur eines Pferdes setzt sich aus drei entscheidenden Muskelgruppen zusammen, die dem Brustkorb eine federnde Aufhängung zwischen den Vorderbeinen ermöglichen. 

Der Pectoralis Transversus– auch Querbrustmuskel- der das Brustbein mit der Innenseite der Vorhand verbindet. Dieser Muskel ist bei trageschwachen Pferden häufig überdehnt. 

Der Serratus Muskel besteht aus einem Halsteil und einem Brustteil. Letzterer verläuft zwischen den Innenseiten der Schulterblätter und den Rippen. Und der Subclavius Muskel, der dann zum Greifen kommt, wenn alle anderen Rumpfträger entweder zu schwach oder überarbeitet sind. Der Subclavius liegt vor dem Schulterblatt und greift von oben um das Bein und um die Brust herum. Er fungiert als äußere Abfederung, ähnlich einer Hängematte und ist besonders bei Springpferden deutlich ausgeprägt, um die dort auftretende übermäßige Last beim Landen abzufangen. Je höher die Geschwindigkeit oder der Sprung, desto höher ist auch die Kraft, die abgefedert werden muss. Das Gewicht des Pferdes spielt dabei auch eine Rolle. 

Skizze Rumpftragemuskeln
Skizze mit freundlicher Genehmigung von Karin Kattwinkel (www.equo-vadis.de)
Rumpftraeger
Foto: Tania Konnerth

Pferdegewicht und Vorderbeine

Etwa die Hälfte des Pferdegewichts besteht aus den Rippen, den inneren Organen und dem Darminhalt. Bei untrainierten Pferden kann der Anteil sogar größer sein, während dieser Anteil bei trainierten Pferden durch ihre verstärkte Bemuskelung nur etwa 40% ausmacht. Je untrainierter ein Pferd ist, desto schwächer sind dessen Rumpftragemuskeln. 

Dies wird besonders bei schnellen Bewegungen, in denen der Brustkorb einen großen Ausschlag nach oben und unten machen würde, zu einem Problem. Daraus resultierend bewegen sich trageschwache Pferde äußerst ungern und bevorzugen es, zu stehen. 

Rückständigkeit der Vorderbeine

Ruhende Pferde mit Trageschwäche stellen ihre Vorderbeine nicht mehr senkrecht unter den Körper, sondern weiter nach hinten oder vorne, um dadurch ein Absinken des Brustkorbes abzufangen.
Rückständige Vorhand
Foto: Karin Kattwinkel

Vorständigkeit der Vorderbeine

Allerdings stellen viele trageschwache Pferde auch oft einen oder beide Vorderbeine weit nach vorne, was zu vermehrten Druck auf dem hinteren Teil des Vorderhufes führt. Dies wird als Vorständigkeit bezeichnet.

Absenkung des Brustkorbs infolge von zu wenig Tragkraft

Wenn der Brustkorb absinkt, verringert sich der Abstand zwischen Schulterblatt und Rippen, das Pferd läuft dann nicht nur vorderlastig, sondern oft auch boden- oder zeheneng. Es ist oft nur schwer möglich, ein solches Pferd korrekt zu biegen, was auf der Kreislinie vermehrt sichtbar wird. Die Körperhaltung gleicht dann der einer Schubkarre bzw. eines  Motorrades in einer Kurve.  

Merkmale der Vorderlastigkeit (Trageschwäche)  sind ein nach vorne unten abgesenkter Brustkorb, ein nach unten zwischen den Schulterblättern verschwindender Widerrist, überlastete Brustmuskeln und Blockaden im Übergang Halswirbel- zur Brustwirbelsäule.

Werden die erwähnten 50% des Gewichtes nicht mehr durch die Rumpfträger abgefedert, landet dieses im distalen, also unteren Bereich der Vorderbeine. Probleme am Fesselträger, der Beugesehnen und/oder Hufrolle sind dann oft die Folge.

Das Schulterblatt wird schräger, Fesselgelenke und Ellenbogen kommen tiefer und die Hufe bekommen mehr Druck im hinteren Bereich und flachen ab. Zusätzlich können sich die Trachten unterschieben, Eckstreben umklappen und somit dem Huf jegliche Tragfähigkeit nehmen. 

Stellung der Vorhand
Mit freundlicher Genehmigung von Karin Kattwinkel (www.equo-vadis.de)

Vorständigkeit und Säbelbeinigkeit der Hinterhand

Da das Pferd in seiner Anatomie als Einheit gesehen werden muss, lohnt sich auch die Betrachtung der Hinterhufe. Je nach Interieur und Exterieur bevorzugen Pferde mit Trageschwaeche unterschiedliche Haltungen im Bereich der Hinterhand. 

Der fleißige Typ stellt seine Hinterbeine unter den Körper, um den Brustkorb zu unterstützen und entwickelt eine sogenannte Säbelbeinigkeit. Die Hinterhand wird dadurch insgesamt weniger beugefähig. 

Hinterhand säbelartig
Foto: Karin Kattwinkel

Faszien ziehen das Knie gerade, ursächlich und folglich durch die verkürzte Oberlinie.

Ein im Beugen eingeschränktes Knie verhindert demnach eine Beugung im Sprunggelenk. Da oberhalb gelegene Strukturen nicht genug abfedern, haben säbelbeinige Pferde häufig geschwollene Fesselgelenke.

Extremer Axthieb, Satteldruck oder Blockaden im HWS-BWS Übergang begünstigen eine Vorständigkeit.

Zusätzlich zu den genannten Symptomen haben trageschwache Pferde mit zu langen Zehen oft geschwollene Fesseln, sichtbare geschwollene Unterstützungsäste der Fesselträger sowie Hautverletzungen an den Sprunggelenken, wenn Pferde hier versuchen, selbst die Schmerzen zu “entlasten”.

zu lange Zehe
Foto: Karin Kattwinkel

Einflussfaktor Training

Neben der Hufbearbeitung spielt auch die Halseinstellung im Training eine ernstzunehmende Rolle. Bei zu enger Halseinstellung werden das Nacken-Rückenband und die Rumpftragemuskulatur ausgeschaltet, sichtbar durch ein zu starkes Durchfesseln. 
Durchfesseln
Foto: Karin Kattwinkel
Je nach unterschiedlichen Bodenverhältnissen leiden Pferde, deren distale Strukturen das Hauptgewicht abfangen und tragen müssen, unter Fesselträgerschäden, Gelenksarthrose und Hufrollen Problemen. Bei falschem Training verändert die mangelnde Tragkraft die Form des Hufes auf Dauer negativ. 

Ist allerdings die Form des Hufes bereits schlecht, kann das Pferd trageschwach werden, da ein nicht optimal bearbeiteter Huf beim Gewichttragen nicht korrekt unterstützt wird. Die Fesselgelenke kommen dann zu tief und überlasten die rumpftragenden Strukturen. 

Korrekte Hufbearbeitung ist daher immer ein Muss, um einem Pferd aus der Trageschwaeche heraushelfen. 

Zu lange Zehe und gut
Foto: Karin Kattwinkel
Mein Tipp:

„Ohne Huf kein Pferd“

Sowohl in meiner Ausbildung zur Tierheilpraktikerin, als auch später in einer Fortbildung hatte ich mich mit dem Thema „Pferdehuf“ schon eingehender befasst und die große Wichtigkeit war mir immer sehr bewusst. Aber so wirklich den Zugang fand ich nicht. Das hat sich dank des tollen Hufkurs Special von Karin Kattwinkel jetzt glücklicherweise geändert.

In diesem Kurs erklärt Karin verständlich mit vielen Fotos und Filmen, was uns der Huf alles über unser Pferd verrät.

Da Karin nicht nur ausgebildete Hufpflegerin (GdHK) ist, sondern eine unglaubliche Kompetenz sowohl was Training/Reiten, Osteopathie/Physiotherapie, Fütterung und Haltung hat und einfach Pferdemensch mit Leib und Seele ist, hat sie einen sehr ganzheitlichen Blick, der sich weit über die Hufe hinaus erstreckt. Genau dieser Blick „über den Huf hinaus“, hat mich sehr begeistert.

Hufkurs special
Anhand der Betrachtung der Hufe darauf schließen zu können, welche Händigkeit das Pferd sehr wahrscheinlich hat, ist ja noch „leicht“, aber am Huf zu erkennen, dass das Kopfeisen vom Sattel nicht passt, oder dass das Pferd vermutlich einen Beckenschiefstand hat, ist schon faszinierend.

In dem Kurs lernst du:

  • alles, was man über die Anatomie und Physiologie der Hufe wissen muss,
  • was die Hufe uns über die Gesundheit, Schiefe und das Training verraten,
  • worauf ihr bei der Bearbeitung der Hufe achten müsst,
  • wie Krankheiten, wie Hufrehe, Strahlfäule, Hufkrebs zu erkennen und zu behandeln sind und anderes mehr.

Diesen Kurs sollte jeder Pferdebesitzer angeschaut haben, um ein Basiswissen über das so wichtige Thema „Huf“ zu haben.

Der „Hufkurs special“ besteht aus mehr als 10 Std. Webinaraufzeichnung + 3 ausführliche Skripte

ACHTUNG! Wenn du bei deiner Bestellung des Hufkurses von Karin den Gutscheincode:

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6 Kommentare
  1. Avatar

    Sehr schöne Erklärungen mit Bildern und gut verständlich. Ein Thema was immer wichtiger wird.

    Antworten
    • Babette Teschen

      Liebe Bettina, das freut mich! Liebe Grüße Babette

      Antworten
  2. Avatar

    Vielen Dank- die Fotos von Schulter und Beinstellung sind toll und die Zusammenhänge gut erklärt

    Antworten
    • Babette Teschen

      Vielen Dank für dein Feebdack, liebe Wiebke, ich freue mich!

      Antworten
  3. Avatar

    Liebe Babette, vielen Dank für deine tolle Erklärung. Das Hufe so wichtig sind und auch mit Trageerschöpfung zusammen gesehen werden können, wusst ich vorher nicht. In das Thema Hufe will ich mich jedoch schon lange einarbeiten. Der Kurs von Karin ist bestimmt das richtige für BellaStar und mich. Ganz lieben Dank an euch und bis ganz bald, Nadja

    Antworten
    • Babette Teschen

      Liebe Nadja, das freut mich sehr! Und der Kurs ist wirklich super! Liebe Grüße Babette und gib BellaStar einen Keks von mir ❤️

      Antworten

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