Während meiner Praxiskurse zum Longenkurs treffe ich oft auf Pferde, die Schwierigkeiten haben, sich loszulassen, über den Rücken zu gehen und sich korrekt zu biegen. Dafür gibt es die unterschiedlichsten Ursachen, die ich, soweit mir das im Rahmen eines Kurses möglich ist, herauszufinden versuche. Eine sehr häufige Quelle für Probleme bei der Biegung und Losgelassenheit ist der Bereich der Halsbasis. Um diesen Bereich soll es in diesem Blogbeitrag gehen.

Maike Knifka, osteopathische Physiotherapeutin, zeigt im Folgenden, wie wir Pferdebesitzer uns einen Eindruck über den Zustand der Halswirbelsäule und der Halsbasis unserer Pferde machen können – hier gibt es das Ganze auch als Film(Link führt zu Youtube).

Der Bereich der Halsbasis

Die Halsbasis ist der Übergang der Halswirbelsäule zur Brustwirbelsäule. Rein anatomisch besteht dieser Übergang aus dem letzten Halswirbel (C7) und dem ersten Brustwirbel (Th1). Funktionell zählt jedoch ungefähr der Bereich vom 5. Halswirbel bis zum 3. Brustwirbel zur Halsbasis.

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Auswirkung der Kopfhaltung auf diesen Bereich

Trägt das Pferd den Kopf sehr hoch, entsteht ein starker Druck auf die Facettengelenke der Halsbasis:

halsbasis3Lässt das Pferd den Hals tiefer fallen, haben die Gelenke zueinander deutlich mehr Platz, der Druck verschwindet:

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Wird häufig Druck auf die Gelenke ausgeübt, kann es zu schmerzhaften Schädigungen in diesem Bereich kommen.

Zu Schädigungen der Halsbasis kommt es vermehrt bei Pferden,

  • die in absoluter Aufrichtung geritten/longiert werden,
  • die mit der Stirn – Nasenlinie hinter der Senkrechten gearbeitet werden (Rollkur),
  • die viel stehen (Boxenpferde),
  • die stark auf der Vorhand laufen,
  • bei denen Hilfszügel verwendet werden.

Wie du herausfinden kannst, ob dein Pferd Probleme im Bereich der Halsbasis hat

Um dir einen Eindruck von der Halsbasis zu machen, kannst du folgende Beobachtungen und Tests bei deinem Pferd durchführen:

1. Führen

Lasse dir dein Pferd von einer helfenden Person am locker durchhängenden Strick auf dich zu führen. Beobachte aufmerksam, wie das Pferd mit seinem Hals pendelt. Der Kopf des Pferdes soll immer zu der Seite pendeln, auf der das Vorderbein sich gerade nach vorne bewegt. Diese Pendelbewegung soll gleichmäßig sein. Pendelt der Kopf nur zu einer Seite und blockiert die Bewegung zu der anderen, spricht es dafür, dass dein Pferd im Verlauf der Halswirbelsäule und/oder in der Halsbasis eine Bewegungseinschränkung hat. Häufig ist dann auch zu beobachten, dass ein Vorderbein stärker belastet wird. Diese Mehrbelastung kann natürlich auch das ursächliche Problem sein, das dann die Halsbasis in Mitleidenschaft zieht.

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2. Abtasten des Halses

Taste nun den Hals des Pferdes ab und zwar dem Verlauf der Wirbelsäule folgend von oben nach unten. Achte dabei auf Wärmeunterschiede, Schwellungen, Schmerzreaktionen. Beobachtest du bereits hier beim Abtasten Abwehr- oder Schmerzreaktionen bei deinem Pferd, lasse dir bitte von einem Experten auf diesem Gebiet helfen und führe die unten aufgeführten Testungen nicht durch.

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3. Seitliche Beweglichkeit des Halses

Nun überprüfe die seitliche Beweglichkeit des Halses. Lege dafür einen Finger locker in das Halfter und gebe leichte, lockende Impulse. Deine andere Hand hast du am Hals deines Pferdes. Je weiter der Hals des Pferdes sich seitlich biegt, desto tiefer wandert die Hand am Hals.

Denke daran, das Pferd nur freundlich zu „fragen“, ob es deiner Bitte nachkommen kann (und es nicht in die Bewegung zu zwingen). Du möchtest ja eine ehrliche Antwort. Wenn du das seitliche Nachgeben mit Kraft erreichst, kannst du ein bestehendes Problem leicht übersehen oder sogar verstärken. Du möchtest hier ja nicht etwas erreichen, sondern etwas in Erfahrung bringen, nämlich, ob die Halswirbelsäule deines Pferdes beschwerdefrei beweglich ist. Wenn dein Pferd hier nicht von sich aus deiner Einladung folgt, sondern die Bewegung blockiert, könnten Schmerzen, Verspannungen oder Blockierungen dafür die Ursache sein.

Wiederhole diesen Test zwei-, dreimal, um zu sehen, ob die Reaktion deines Pferdes immer gleich ausfällt. Teste beide Seiten.

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4. Seitliche Beweglichkeit mit angehobenen Vorderbein

Mit dieser seitlichen Nachgiebigkeit hast du dir einen Eindruck über die obere und mittlere Halswirbelsäule deines Pferdes machen können. Um nun auch den Bereich der Halsbasis überprüfen zu können, nimmst du ein Vorderbein deines Pferdes auf, so, als wenn du den Huf auskratzen möchtest, nur dass du dabei zum Pferdekopf schaust. Das Bein soll dabei gehalten werden, wie auf diesem Foto zu sehen:

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Bitte dann wieder dein Pferd vorsichtig, den Hals seitlich zu biegen und zwar in einem möglichst weiten Bogen (Provokationstest nach Tanja Richter). Lege dafür wieder einen Finger seitlich ins Halfter und lade dein Pferd mit weichen, leicht lockenden Impulsen zu der Bewegung ein. Sei auch hier bitte ganz sanft und vorsichtig! Höre sofort auf, wenn dein Pferd sagt: „Weiter nicht“.

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Achtung: Bei diesem Test entsteht ein einseitiger Kompressionsdruck auf die Halsbasis. Hat das Pferd ein Problem in diesem Bereich, wird es seinen Hals nicht zur Seite biegen wollen und evtl. sogar mit deutlichen Schmerzreaktionen reagieren. In schweren Fällen kann ein Pferd sogar vor Schmerz steigen oder beißen, sei also entsprechend vorsichtig.

Teste in beide Richtungen.

Auswertung

Fällt dir bei einer dieser Übungen eine Einschränkung deines Pferdes auf, hole bitte eine*n kompetente*n Therapeuten*in, z. B. eine*n Physiotherapeuten*in oder Osteopathen*in zu Hilfe. Die hier dargestellten Übungen sind KEINE Therapie, sondern haben lediglich den Zweck, Probleme zu erkennen.

Denke daran: Widersetzlichkeiten bei Pferden haben immer einen Grund. Diesen gilt es zu erkennen und zu behandeln.

Und hier kannst du dir die Durchführung der Testung als Film anschauen:

 

Ursprünglich erschienen auf Wege zum Pferd

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