Verfasst von Henrike

Es ist bestimmt fantastisch, mit dem eigenen Pferd an einem Longenkurs teilzunehmen; aber aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass auch das pure Zuschauen wirklich etwas für sich hat. 

Obwohl ich zunächst dachte, dass die Teilnahme ohne Pferd vielleicht nur die halbe Sache ist, kam ich doch prall gefüllt mit neu Gelerntem, vielen Aha-Momenten und voller Tatendrang wieder. Und so kam mir die Idee, den Longenkurs doch einmal aus dieser Perspektive zu beschreiben, weil ich auch das reine Zusehen für so lohnenswert halte.

Über die „Wege zum Pferd“ zum Longenkurs

Es gibt viele Gründe, die für einen Besuch als Zuschauer sprechen – in meinem Fall war es die Rücksicht auf das betagte Alter und die etwas wackelige Gesundheit meiner lieben Pflegestute Biene, der ich keine Fahrten im schwankenden Hänger mehr zumuten wollte. Zunehmend klar wurde aber auch, dass ein Bewegungsprogramm hermusste, das ihren Gesundheitszuständen gerecht und im Idealfall sogar zu Verbesserungen beitragen würde. Auf der Suche nach einem solchen Programm stieß ich auf die Internetseite „Wege zum Pferd“, die Tania und Babette ins Leben gerufen haben, und dort auf den Longenkurs. Von dort aus hatte ich den Kurs auch schon gelesen und einiges davon bereits praktisch umgesetzt; nach einiger Zeit stieß ich jedoch an meine Grenzen und hatte das Bedürfnis, mir das Ganze doch einmal live und in Bewegung anzusehen. Und so packte ich mir sozusagen selbst ein Heunetz als Reiseproviant ein, sagte meinem lieben Pferdchen, das frohen Mutes auf seiner Weide stand und die Nase tief ins Gras steckte, für zwei Tage Adieu und machte mich auf den Weg zu meinem ersten und nächstgelegenen Longenkurs. 

Was mir sofort aufgefallen ist, war die ruhige und zugewandte Atmosphäre, die Babette in ihrem unmittelbaren Zusammenspiel mit den Pferden und Menschen in der Halle ausstrahlt und die sie bis in die Zuschauerreihen hinein vermittelt. Dieses konstruktive Miteinander zwischen Babette und Tania und ihren Besuchern hatte mich schon auf den verschiedenen Blogseiten, die Tania und Babette betreiben, begeistert, und umso mehr freute ich mich, diese positive Atmosphäre jetzt auch direkt im Kurs wiederzufinden. Denn wie wohl wir alle aus eigener leidvoller Erfahrung wissen, ist diese gegenseitige zwischenmenschliche positive Verstärkung unter uns Pferdeleuten nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit … Tiefenentspannt konnte ich mich also voll auf das nun Folgende einlassen und konzentrieren. 

Ein Ganzes besteht aus vielen Bausteinen

So ein Praxiskurs zum Longenkurs besteht aus drei Teilen: einem Theorieabend, gefolgt von zwei Praxistagen, an denen Babette mit den aktiv teilnehmenden Pferden und Menschen arbeitet und an denen eben auch das pure Zuschauen möglich ist. 

Am Tag eins dieser Praxistage geht es zunächst um das Handling von Longe, Peitsche und Pferd, um das Führen in Stellung und das Variieren der Abstände zwischen Pferd und Mensch. Der zweite Tag nimmt das Gelernte dann mit in die verschiedensten Bahnfiguren, die sich aus diesen Grundkenntnissen heraus longieren lassen und die vor allem auch dazu dienen, dem Pferd Abwechslung und Freude an der Longenarbeit zu vermitteln. Ein Ziel des Ganzen ist es, dem Pferd über dieses geradezu spielerische Miteinander zu einer guten Selbsthaltung und gesunden Laufmanier zu verhelfen – und die Augen zum Leuchten zu bringen.

Nun hieß es also: die Bausteine zuhause selbst zusammensetzen

Das klingt so weit ganz einfach; als ich es zuhause zum ersten Mal selbst probierte, hatte ich allerdings ganz schön zu tun. Ich brauchte Wochen, um so einigermaßen über die Runden zu kommen und mich nicht ständig im Longensalat zu verheddern; allerdings bin ich auch alles andere als ein Bewegungswunder. Umso faszinierender ist es für mich, zu sehen, wie die Pferde die Sache in kürzester Zeit, oft sogar vom Fleck weg verstehen und allein schon in den beiden Kurstagen sichtbare Verbesserungen ihrer Haltung, ihrer Biegung und ihres Schwunges zeigten. Auch als Zuschauerin konnte ich die vielen Bausteine, aus denen sich die verschiedensten Longiereinheiten zusammenstellen lassen, problemlos einsammeln und zuhause dann für die eigenen Themen neu zusammenpuzzeln. Außerdem holte ich mir, wie es Babette in ihren Kursen auch immer wieder empfohlen hatte, noch eine versierte Osteopathin mit an Bord. Und so wurde Schritt für Schritt eine wirklich runde Sache draus!

Zuschauen – und dabei den Blick schulen

Als ein Nachteil erschien mir zunächst, dass ich beim praktischen Nacharbeiten des im Kurs theoretisch Gelernten nicht so unmittelbar korrigiert werden konnte, wie es ja im Kurs der Fall ist. Als Lösung überlegte ich mir, mich bei den Übungen filmen zu lassen, sodass ich mich von außen sehen und das dann mit dem im Longenkurs Gesehenen abgleichen konnte. 

Eine große Hilfestellung dabei ist, dass Babette in die Kurse immer wieder die Blickschulung einbaut und gerade auch uns Zuschauende einlädt, daran aktiv teilzunehmen. So konnte ich von meinem Zuschauerplatz aus ganz gezielt das Auge schulen und nach und nach immer besser deuten, was ich da gerade sehe oder eben auch nicht gesehen habe: Wie ist der Gesichtsausdruck des Pferdes, wie ist seine Losgelassenheit, wie sein Schwung, wie die Balance, was macht das „V“ der Beine, fällt uns irgendetwas besonders auf? Auch als Zuschauerin fühlte ich mich von Babette immer in den Kurs eingebunden und wir konnten jederzeit Fragen stellen, die Babette geduldig und gründlich beantwortet hat. 

Wer mag, kann auch eigene Aufnahmen während des Longenkurses machen, sofern die aktiv Teilnehmenden damit ebenfalls einverstanden sind. Das ist dann eine zusätzliche Unterstützung, um die Übungen zuhause noch einmal nachvollziehen zu können. Außerdem habe ich mir immer auch zahlreiche Notizen gemacht, die aber wahrscheinlich wirklich nur ich entziffern kann.

Jedes Pferd ist anders – und auf jedes wird individuell eingegangen

Es ist einfach unglaublich spannend, die vielen verschiedenen Pferd-Mensch-Paare, mit denen Babette in den Kursen arbeitet, zu erleben. Und es ist ebenso toll, zu erleben, wie Babette nicht einfach ein Programm abspult, sondern auf jedes einzelne Pferd und jeden Menschen ganz genau eingeht. Und dass es beim Longenkurs, wie auch schon bei den „Wegen zum Pferd“, nicht nur um die richtige Technik geht, sondern immer auch die psychische Verfasstheit der Pferde einbezogen wird. So konnte ich sehen, wie eher „triebige“ Pferde sehr schnell munterer und die etwas aufgeregteren Kandidaten und Kandidatinnen ebenso schnell ruhiger und entspannter wurden. 

Besonders beeindruckt hat mich beispielsweise die Entwicklung eines Pferdes, dem eine bestimmte Ecke der Reithalle zu Beginn seiner Einheit allzu gruselig war, und das dann allein über die Auswahl der passenden Übung, über eine Art gymnastizierendes Ablenkungsmanöver also, innerhalb kürzester Zeit völlig entspannt durch genau diese Ecke hindurchging. 

Es waren gerade auch solche Eindrücke, die mir allein über das Zuschauen ein noch tieferes Verständnis für den Longenkurs im Ganzen gegeben haben. Und auch im Zusammenspiel mit meiner Biene habe ich erleben können, wie sehr die bessere äußere Balance auch zur stabileren inneren Balance führte – und wie sehr die Übungen aus dem Longenkurs auch unserem Miteinander insgesamt zugutekamen. Diese Entwicklungen am eigenen Pferd zu sehen ist dann natürlich das allergrößte Zuschauererlebnis. Mittlerweile war ich bereits dreimal als Zuschauerin beim Longenkurs und jedes Mal war es wieder neu und anders, und von jedem einzelnen Mal habe ich enorm profitiert.

Und wenn auch manches im Nachhinein dann vielleicht etwas länger gedauert hat oder ich schneller einmal an eine Grenze gestoßen bin – das ist erstens gar nicht schlimm, man wächst ja bekanntlich an seinen Aufgaben, und zweitens war und ist es natürlich immer wieder ein guter Grund, erneut einen Longenkurs zu besuchen, um wieder Neues mitzunehmen und zwischenzeitlich Verblasstes aufzufrischen.

Ein ganz großes Dankeschön, liebe Babette und Tania, für die vielen guten Wege, auf die ihr mich bereits mitgenommen und gebracht habt!

Eure Henrike

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