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„Woran erkennen Sie, dass Ihr Pferd Ihnen zu 100 % vertraut?“

Diese Frage stellte mir während eines Telefoninterviews eine Redakteurin der Pferdezeitschrift ReitZeit. Meine erste Reaktion darauf war, zu sagen, dass es in meinen Augen kein 100% iges Vertrauen zwischen Pferd und Mensch gibt, auch wenn ich Pferd-Mensch-Beziehungen kenne, die sehr harmonisch sind und in denen die Pferde sich ihrem Menschen gerne und sehr stark anvertrauen.

Wenn ich mich zurück erinnere an Szenen, wie z.B. Tania mit ihrem Aramis „nackig“, also ohne Kopfstück durchs Gelände ritt, ist das in meinen Augen schon nah dran am absoluten Vertrauen. Aber 100 %? Und woran würde ich diese 100 % festmachen? Über diese Frage habe ich nach dem Telefonat noch viel nachgedacht.

Hinlegen? Gemeinsam durchs Feuer gehen?

Auf der Messe HansaPferd in Hamburg mit Legolas und Buddy

Was sind das für Situationen, in denen ein außenstehender Mensch sagt: „Boah, das Pferd hat aber viel Vertrauen.“? Meistens sind es Vorführungen auf Messen oder Shows, auf denen ein Pferd „frei“ durchs Feuer springt oder sich trotz Tumult ruhig neben seinen Menschen ablegt. Das sind Szenen, in denen wir Zuschauer staunen über diesen großen Vertrauensbeweis.

Aber geht es hier wirklich um Vertrauen?

Um das beurteilen zu können, müsste ich wissen, ob das Pferd sich tatsächlich freiwillig, also aus freiem Willen, auf das Kommando hin ablegt, oder ob es das aus der Motivation heraus tut, dass es gelernt hat, dass es negative Konsequenzen gibt, wenn es sich nicht ablegt, wenn wir es ihm sagen. In diesem Fall ist ein Ablegen nur die Wahl des „kleineren Übels“, aber kein Zeichen von Vertrauen. Eher doch vom Gegenteil: Das Pferd zeigt uns durch diesen „Kadavergehorsam“, dass es uns zutraut, dass wir so unangenehm oder sogar so grob werden, dass es besser ist, zu funktionieren und sich dem Willen des Menschen zu beugen. Deswegen lasse ich mich heute nicht mehr von einer Show oder einem Endergebnis beeindrucken. Ich möchte den Weg kennen, der zu dem Endergebnis geführt hat.

Und ich bin lange genug in dem Bereich Pferdetraining tätig, um zu wissen, wie unschön leider oftmals die Methoden hinter verschlossenen Türen aussehen.  Um also ein Endbild in einer Show in Hinsicht auf Pferdefreundlichkeit und „echtem“ Vertrauen beurteilen zu können, müsste ich den vorführenden Menschen heimlich beim Training beobachten, um zu sehen, wie geht es mit einem „Ungehorsam“ seines Pferdes um … Am Endergebnis kann ich selten erkennen, wie das Pferd eine Lektion gelernt hat und aus welcher Motivation heraus es etwas zeigt.

Darf das Pferd auch nicht vertrauen?

Eine ganz entscheidende Frage ist für mich: Hat das Pferd das Recht darauf, eben auch mal nicht zu vertrauen, sprich: sich eben nicht hinzulegen oder nicht durch das Feuer zu springen? Vertrauen ist in meinen Augen niemals erzwingbar, es kann nur ein Geschenk sein. Und wenn ein Pferd so lange Druck erhalten hat, bis es in jeder Situation immer zu 100 % korrekt reagiert, ist das Pferd in meinen Augen nur 100%ig abgerichtet und perfekt dressiert, aber mit Vertrauen hat es dann für mich nichts zu tun.

Wie oft wird ein Pferd, wenn es nicht das macht, was der Mensch will, entweder mit negativem Druck gearbeitet (Pferd wird gescheucht, es folgt ein disziplinierendes „Weichen lassen“ usw.) oder sogar gestraft, bis es dann endlich macht, was der Mensch will.

Wenn es dann solche Lektionen später zeigt, ist das keine Freiwilligkeit und hat nichts mit Vertrauen zu tun!

 

Wenn mein Pferd mir vertraut, darf es in meiner Gegenwart keine Angst haben 

 

Viele Pferdemenschen glauben, dass ihre gute Beziehung zu ihrem Pferd doch ausreichen muss, um dem Pferd die Angst zu nehmen, und sie ihm allein durch ihre Anwesenheit Sicherheit geben können. Dazu einfach mal ein Gedanke von mir aus meiner eigenen Gefühlswelt:

Ich leide unter Flugangst. Wenn eine Person mit mir fliegt, der ich vertraue, wie z.B. meine ältere Schwester, sie meine Hand hält und mir sagt, dass alles gut ist, dann geht es mir auf jeden Fall besser. Es ist tröstlich und schön, wenn sie dabei ist. Aber: Angst habe ich trotzdem, sehr große sogar. Am liebsten würde ich einfach aussteigen oder im übertragenen Sinn: Wäre ich ein Pferd, würde ich mich bei jedem Luftloch loszureißen versuchen, um wegzulaufen – und dass, obwohl ich meiner Schwester vertraue …

 

An dieser Stelle ist übrigens auch sehr spannend, dass meine Schwester, die sonst keine Probleme im Flugzeug hat, auf dem Flug, bei dem ich mit feuchten Händen und klopfendem Herzen neben ihr saß, selbst auch Angst hatte. Meine Angst hatte sie angesteckt! 

Sorry, Sister- ❤️!

Und so geht es uns Pferdemenschen doch in der Regel auch, wenn wir mit einem ängstlichen Pferd zusammen sind, oder nicht? Diese Unsicherheit wiederum spürt unser Pferd ganz genau, was ihm die Sache natürlich noch schwerer macht.

So könnte der ultimative Vertrauensbeweis für mich aussehen

Ich habe einmal versucht, mir eine Szene auszumalen, an der ich festmachen würde, dass mein Pferd mir zu 100 % vertraut. Dazu habe ich mich gedanklich auf eine riesige, freie Wiese gestellt. Es gibt keinen Zaun weit und breit. Mein Pferd läuft frei auf dieser Wiese. Und auch weitere Pferde befinden sich dort. Und nun kommt vom Himmel ein riesiger, lauter Hubschrauber und landet in geringer Entfernung von mir.

Wenn mein Pferd jetzt zu mir läuft, um bei mir Schutz zu suchen, anstatt mit den anderen Pferden die mögliche Flucht anzutreten, dann würde ich wohl das Gefühl bekommen, dass mein Pferd mir zu 100 % vertraut …

Da ich aber nicht allzu naiv bin, gehe ich davon aus, dass ich in einer solchen Situation nur noch die Hinterhufe meines treuen Freundes sehen würde, der sein Heil in der Flucht mit den anderen Pferden suchen würde.

Und um jetzt nicht zu frustriert zu sein, schaue ich lieber dahin, wo ich mir schon ehrliches Vertrauen von meinen Pferden erarbeitet habe.

Wieder in der Realität

Wenn ich mich z.B. daran zurück erinnere, dass Ronaldo, als ich ihn bekommen habe, deutlich Angst vor Gerten und Peitschen hatte und ich später kräftig mit einer Peitsche vor ihm knallen konnte oder die Gerte über seinen Kopf wedeln durfte, ohne dass er Sorgenfalten um seine Augen bekommen hat, bin ich stolz auf das, was ich da an Vertrauen aufgebaut habe. Das ist nicht spektakulär, aber es ist grundehrlich, denn ich habe ihn nie weggeschickt oder gestraft, wenn er es nicht aushalten konnte, wenn ich mit der Gerte gearbeitet habe. Er hat einfach gelernt, dass ihm bei mir mit einer Gerte nichts Schlimmes widerfährt oder anders gesagt: Er vertraut mir, dass ich mit der Gerte oder Peitsche nichts Böses tue.

Und auf solche Vertrauensbeweise kommt es mir an – denn sie machen das tägliche Miteinander aus.

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Mein Ronaldo im Jahr 2012. Leider ist er 2020 gestorben 🌈🖤

Ich erwarte Vertrauen, aber wie ist es mit mir?

Des Weiteren habe ich darüber nachgedacht, wie sehr eigentlich ich wiederum meinen Pferden vertraue, und auch hier muss ich ehrlich einräumen, es sind sehr viel weniger als 100 % …

Dazu wieder ein Beispiel mit meinem Ronaldo. Ronaldo war ein sehr verschmustes Pferd, was sich gut traf, ich schmuse nämlich auch sehr gerne mit meinen Pferden 🥰.

Ronaldo konnte dabei sagenhaft vorsichtig und zärtlich sein. Dann wuselte er mit seinen Lippen an meinem Haaransatz, erschnüffelte mein Gesicht, war ganz sanft zu mir. Ich genoss das eigentlich sehr, … aber es war immer auch etwas Angst dabei.

 

Dann knibbelte er vorsichtig an meiner Nase herum und ich machte mir fast in die Hose vor Angst, dass ich bald ohne Nase durchs Leben gehen muss. Und dass ich ihm eben auch ein Stück weit „misstraue“, bewahrt mich davor, meine Nase zwischen seine Zähne zu halten … Ich glaube, ich bin nicht so unglücklich darüber, dass ich meinem Pferd nicht zu 100 % vertraue 😅 …

Vertrauen – jeden Tag auf ein Neues

Ich bin fest davon überzeugt, dass Vertrauen immer etwas ist, was mal mehr und mal weniger in einer Beziehung vorhanden ist. So könnte ich wetten, dass Ronaldo an einem Tag, an dem ich so richtig schlecht drauf war, weil ich mich vielleicht gerade böse gestritten hatte, anders reagiert hätte, wenn ich meine Peitschenübungen mit ihm gemacht hätte, als an den Tagen, an denen ich innerlich weich und ruhig war.

Es liegt also immer ganz stark an mir, an meiner Stimmung und meiner Ausstrahlung, ob ein Pferd mir jetzt in diesem Moment vertraut oder nicht. Und ich bin jeden Tag und jeden Moment neu gefordert, mir das Vertrauen zu verdienen.

Eine klassische Situation

Wer kennt nicht Situationen wie diese: Man hat mit seinem Pferd schon 100 Mal das Verladen geübt und normalerweise geht das Pferd problemlos in den Anhänger hinein. An dem Tag, an dem man dann tatsächlich mit seinem Pferd los möchte, ob nun zum Turnier, zum Kurs oder in die Klinik, stemmt es schon 10 Meter vor dem Anhänger die Beine in den Boden und verwurzelt an dieser Stelle. Woran liegt es wohl?

Wer dann sein Pferd für seinen „Mangel an Vertrauen“ straft, der läuft große Gefahr, das Vertrauen des Pferdes aktiv zu zerstören!

Bin ich des Vertrauens meines Pferdes würdig?

In solchen Situationen zeigt sich, ob der Mensch des Vertrauens des Pferdes tatsächlich würdig ist. Hier erfährt das Pferd nämlich, ob ich auch dann gut mit ihm umgehe, wenn ich schlecht drauf bin oder unter Zeitdruck stehe. Wenn ich in solchen Situationen gewalttätig oder ungerecht werde, darf ich mich nicht beklagen, wenn mein Pferd mir nicht sehr vertraut. Und hier wird es wieder unbequem für uns, denn nun liegt der schwarze Peter wieder mal da, wo er hingehört: vor unseren Füßen!

Fassen wir also zusammen:

  • 100%iges Vertrauen zwischen Mensch und Pferd gibt es wahrscheinlich nicht und so sollten wir auch nicht traurig sein, wenn wir in einer Situation feststellen, dass unser Pferd uns eben gerade nicht vertraut. Morgen ist ein neuer Tag und an dem haben wir wieder die Chance, an einem weiteren Prozent Vertrauen zu arbeiten.
  • Ob ein Pferd uns in einer Situation vertraut oder nicht, hängt im sehr hohen Maße davon ab, wie wir selbst drauf sind: welche Stimmung wir ausstrahlen und wie wir gerade mit unserem Pferd umgehen. Wenn ich also in einer Situation merke, dass einem Pferd Vertrauen fehlt, achte ich zunächst auf mich selbst und versuche herauszufinden, was ich an mir ändern kann, damit das Pferd wieder Vertrauen zu mir fassen kann (z.B. tief durchatmen, Spannung aus dem Körper nehmen, Gerte sinken lassen, bewusst lächeln, positive Bilder im Sinn haben …).
  • Ein kleines bisschen „Misstrauen“ bewahrt uns vor zu großem Leichtsinn und damit vielleicht vor Unfällen und so hoffe ich, meine Nase behalten zu dürfen.
  • Echtes Vertrauen muss man sich in den meisten Fällen ehrlich verdienen, manchmal bekommen wir es auch geschenkt. Aber egal, wie wir das Vertrauen bekommen haben, es kann jederzeit wieder verloren gehen. Dessen sollten wir uns immer bewusst sein, ganz besonders in Situationen, in denen wir mal wieder ungeduldig sind oder auch wenn wir uns überlegen, welchen Bereiter, welcher Reitbeteiligung usw. wir unser Pferd anvertrauen.
  • Vertrauen aufzubauen kann Jahre dauern, zum Verlieren reichen manchmal schon Sekunden. Wir sollten also immer gut überlegen, ob das, was wir gerade durchsetzen wollen („du musst jetzt in den Hänger, ich will auf dem Turnier starten …“), es wirklich wert ist.
  • Wir sollten nicht voller Neid auf die spektakulären Vorstellungen von Trainer XY schauen. Genießen wir lieber die kleinen Vertrauensbeweise, die unser Pferd uns schenkt und würdigen diese.

In diesem Sinne wünsche ich dir mit deinem Pferd viele wunderschöne, vertrauensvolle Momente! 

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Im zweiten Teil geht es um die Arbeit nach dem Longenkurs. Die einzelnen Übungen des Longenkurses werden besprochen, wobei ausführlich darauf eingegangen wird, welche Übung welche Auswirkung auf die Laufmanier des Pferdes hat. 

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