Rezension Kappzaum

Gepostet von am 18. Oktober 2014

Rezension Kappzaum

Lesen Sie hier eine Rezension zu meinem Kappzaum von Christine Garbers, VFD Wanderreitmeisterin:

Wer sein Pferd sinnvoll an der Longe gymnastizieren möchte, wird sich früher oder später mit den verschiedenen auf dem Markt befindlichen Kappzäumen beschäftigen. Die Frage nach dem „besten Kappzaum“ wird den nachdenklichen Pferdemenschen über kurz oder lang zu den klassischen Modellen führen. Das Für und Wider der Verwendung von Kappzäumen im allgemeinen oder von besonderen Modellen soll hier nicht diskutiert werden. Einig sind sich aber alle Kappzaum-Nutzer: Passen muss er, der Zaum, und zwar möglichst vielen verschiedenen Pferden. Also vielseitig verstellbar. Pflegeleicht wäre toll. Haltbar und stabil. Nicht zu schwer und wuchtig, aber auch nicht zu leicht und labberig. Ach ja, und günstig!

Zum Glück gibt es Pferdemenschen, die gute Ideen haben. Und diese Idee hartnäckig weiter verfolgen, publizieren, Erfolge in der artgerechten Pferdeausbildung vorweisen können und denen es letztendlich gelingt, Althergebrachtes und Bewährtes mit neuesten Erkenntnissen zu verknüpfen. Hierzu gehört auf jeden Fall auch Babette Teschen aus dem landschaftlich reizvollen Wendland in Norddeutschland. Ihre Idee war nicht nur der sehr ausgefeilte Longenkurs, der schon so vielen Pferden und ihren Besitzern wieder zu einem Lächeln im Gesicht verholfen hat, sondern auch ein hierzu sehr gut geeigneter Kappzaum, der alle oben genannten Voraussetzungen erfüllt.

Babette’s Kappzaum besitzt ein dreiteiliges, nichtrostendes Eisen, bei dem die seitlichen Ringe tiefer angebracht sind als üblich. So kann der Zaum auch sehr gut zum Reiten, zur Handarbeit oder für die Doppellongenarbeit genutzt werden.

_MG_5756(Foto: Ilka Garbers)

Das Eisen ist mit Moosgummi und Neopren dick gepolstert und legte sich bei den Testpferden ausnahmslos gut um die Pferdenase. Der Genickriemen ist ebenfalls mit Neopren abgepolstert, wobei die Polster hier asymmetrisch befestigt wurden: So kann durch einfaches Umschnallen des Genickriemens die breite oder die schmalere Seite nach vorn zeigen und somit dem Pferd die notwendige Ohrenfreiheit gewährt werden. Die Höhe des Nasenriemens kann beidseitig eingestellt werden. Wenn Ganaschen- und Nasenriesen gut verschnallt wurden, rutscht der Backenriemen nicht ans Pferdeauge, und das Naseneisen sitzt unverrutschbar an seinem Platz – erst damit ist eine präzise Hilfengebung möglich. Beim korrekt verschnallten Kappzaum kann das Pferd das Maul öffnen und Leckerli entgegen nehmen. Auch ein zusätzliches Kopfstück passt problemlos noch darüber. Auf einen Stirnriemen wurde verzichtet. Alle Schnallen sind unterlegt, beim Anlegen des Kappzaumes werden daher keine Haare eingeklemmt und die Schnallen können nicht drücken. Der Kappzaum besteht symphatischerweise aus hochwertiger Beta-Biothane – es musste für die Herstellung also kein Tier seine Haut hergeben. Mit diesem Material ist der Kappzaum quasi unkaputtbar, denn Biothane ist extrem reißfest und sehr pflegeleicht. Mit einem Gewicht 930 g ist der Zaum leichter als manch andere Kappzäume, dabei aber immer formbeständig und stabil. Auffällig ist die gute Ausbalanciertheit des Kappzaumes. Der Kappzaum wird in kleiner Stückzahl von einer offenbar sehr gewissenhaft arbeitenden, ortsansässigen Sattlerin hergestellt, denn die Verarbeitung lässt keine Wünsche offen: Jede Naht sitzt, nichts ist ausgefranst oder nachlässig zurecht gestückelt. Gute Handarbeit eben. Momentan ist der Kappzaum nur in einer Größe erhältlich, langfristig ist jedoch geplant, auch Maßanfertigungen anzubieten. Fraglich ist allerdings, ob dies sinnvoll ist, denn der getestete Kappzaum wurde an etlichen verschiedenen Pferdemodellen ausprobiert und passte immer sehr gut. Den Kappzaum gibt es in schwarz oder in schwarz-braun (schwarz mit braun unter dem Eisen).

kappzaum3(Foto: Ilka Garbers)

Der Anschaffungspreis von 295 Euro lässt den interessierten Pferdemenschen erst einmal schlucken. Wenn man jedoch bedenkt, das ein guter Kappzaum erstens eine Anschaffung fürs Leben ist und zweitens im Laufe dieses Lebens an vielen, vielen Pferden genutzt werden kann (und zwar nicht nur zu Beginn der Ausbildung, sondern immer wieder!), dann relativiert sich der Preis sehr schnell.

Fazit: Nicht abschrecken lassen vom Preis! Der Nutzen überwiegt auf jeden Fall. Man erhält einen anständigen, vernünftig nutzbaren, gut durchdachten und qualitativ hochwertigen Kappzaum. Und wegen der verwendeten Biothane ein reines Gewissen gratis dazu. Ich finde, das hat was!

 

Christine Garbers, VFD-Wanderreitmeisterin
12.12.2013